Stell dir vor, du könntest deinen Stress lindern, wann immer er auftritt. Trägheit am Morgen vertreiben, Nervosität entweichen lassen oder deine Gefühle beeinflussen. Das geht – mit ätherischen Ölen. Denn: In Düften schlummern ungeahnte Kräfte.
Die Wissenschaft weiß längst, dass Gerüche auf Hormone und Botenstoffe wirken – und somit auch auf Körper und Geist. Wie du dir diese Erkenntnisse zunutze machst, verraten wir im Folgenden.
Inhaltsverzeichnis
Warum Düfte unglaubliche Wirkungen entfalten können – biologisch erklärt!
Was herrlich duftet, wenn du an Blumen oder einer Zitrone schnupperst – das sind die ätherischen Öle: flüchtige Verbindungen, mit denen Pflanzen Insekten anlocken oder Schädlinge vertreiben. Finden sie ihren Weg in unseren Körper – über Mund und Magen-Darm-Trakt oder Nase – entfalten sie erstaunliche Wirkungen.
Aber wie kann es sein, dass Gerüche uns beruhigen, Energie schenken oder Aufregung verfliegen lassen?
Das Geheimnis hinter der Aromatherapie: Riechen wir an einem ätherischen Öl, strömen winzige Moleküle aus der Flasche, binden sich im Schlüssel-Schloss-Prinzip an die Duftrezeptoren auf der Riechschleimhaut – und gelangen von hier aus über Nervenbahnen ins Gehirn.
Als elektrische Gewitter knistern sie durch die Abteilungen für Wiedererkennung und Warnung oder das limbische System. Dieses gilt als älteste Gehirnregion überhaupt. Hier sitzt das Zentrum unserer Emotionen, hier werden Affekte und Triebe reguliert, vegetative Funkionen (Atmung, Schlaf-Wach-Rhythmus) und Motivation gesteuert.
Wie weit die Wirkungen von Düften reichen, hast du schon erlebt – gewiss gibt es Gerüche, die Erinnerungen in dir wecken. Wenn ätherisches Vanilleöl in deine Nase strömt, denkst du vielleicht an jene Eiscreme, die du als Kind im Freibad gegessen hast.
In diesem Punkt steckt viel Kraft: Stell dir vor, du könntest deine Emotionen mit dem Griff zum „richtigen“ Ölfläschchen beeinflussen – alte Erinnerungen reaktivieren, aufgebrachte Nerven beruhigen oder Traurigkeit lindern.
Es soll sogar möglich sein, die Wirkung von Düften auf deine Gefühle zu trainieren. Schnupperst du jedes Mal, wenn du glücklich bist, an deinem Rosmarin, kann der Duft der Pflanze auch abseits von schönen Momenten deine Endorphine in Schwung bringen. Denn: Düfte regulieren Hormone und wichtigen Botenstoffe im Gehirn – so beeinflussen sie zum einen deinen Geist und zum anderen deinen Körper.
Weil Gerüche vegetative Funktionen (Blutdruck, Verdauung, Stoffwechsel usw.) stimulieren, gelingt es manchen ätherischen Ölen, Schmerzen zu lösen, Entzündungen zu hemmen oder Auswurf zu fördern – und zwar 100 % natürlich!
10 beliebte Öle für jede Hausapotheke – und ihre Wirkungen
Zusammengefasst: Gelangen ätherische Öle in deinen Körper – über die Sinneszellen in der Nase, durchs Schlucken in den Magen-Darm-Trakt oder bloßen Hautkontakt – entfalten sie erstaunliche Wirkungen. Deswegen stellen wir dir hier zehn Düfte vor, die jede Hausapotheke bereichern.
Öl | Wirkung |
Lavendel | Wohltuend bei Herzklopfen, Nervosität oder Schlaflosigkeit. Ausgleichend. Beruhigt bei Stress und erfrischt bei Sorgen. Lindernd Husten, Kopfschmerzen, Insektenstiche und Verspannungen. |
Thymian | Schleimlösend bei Erkältungen. Lindernd bei Gelenk- und Muskelschmerzen. Entzündungshemmend. |
Grapefruit | Erfrischend und belebend. Kann am Morgen Energie und Motivation spenden. Stimmungsaufhellend, anregend und wohltuend bei Stress. |
Rosmarin | Fördert die Durchblutung von Muskeln und Gelenken. Kann stimulieren und deswegen Erschöpfung lindern. Kann den Schlaf verbessern und deine Stimmung heben. |
Teebaum | Entzündungshemmend. Lindert Hautunreinheiten und Juckreiz nach Insektenstichen. Erfrischend, reinigend und antibakteriell. |
Vanille | Beruhigt und besänftigt. Kann beim Einschlafen helfen und eine Atmosphäre von Geborgenheit und Glück bescheren. Hilft, zu entspannen. |
Bergamotte | Belebend und erfrischend. Reduziert Stress. Kann Depressionen und Angstzustände lindern. Antibakteriell und schmerzlindernd. |
Eukalyptus | Schleimlösend und entzündungshemmend. Fördert die Durchblutung und wirkt entkrampfend – toll bei schmerzenden Gelenken und Muskeln. Schmerzlindernd, anti-mikrobiell, wohltuend bei Kopfschmerzen und Trägheit. |
Rose | Entzündungshemmend und antibakteriell. Hilft bei Bronchitis, Halsschmerzen, Zanfleischentzündungen, Migräne, Angst und Stress oder Menstruationsbeschwerden. Stimmungsaufhellend und entspannend. Wohltuend bei Kopfschmerzen, Müdigkeit und Depressionen. Hautpflegend. |
Achtung: Diese Nebenwirkungen können auftreten!
Was wirkt, kann unerwünschte Begleiterscheinungen mit sich bringen – ätherische Öle bilden hier keine Ausnahme. Unverdünnt aufgetragen oder eingeatmet, rufen sie zum Beispiel Reizungen hervor. Mische sie deswegen stets mit anderen Ölen (Duftlampe, Hautpflege) oder Lotions und verwende sie sparsam: wenige Tropfen genügen!
Auch allergische Reaktionen sind möglich – du erkennst sie an Rötungen und Quaddeln. Trage ätherische Öle deswegen kleinflächig auf und setze die Anwendung erst fort, wenn du sie verträgst.
Kleinkinder, Schwangere, Schwerkranke, Epileptiker und Haustiere solltest du nicht mit ätherischen Ölen behandeln. Menthol oder Kampfer lösen bei Babys – schon in geringer Dosierung! – Atemnot aus. Ist dein Kind älter, verträgt es die meisten Öle wahrscheinlich. Trotzdem empfiehlt sich eine Absprache mit dem Arzt.
Reibe die Öle niemals auf offene Wunden oder Krampfadern und sieh zu, dass nichts in Augen und Ohren gelangt. Lasse außerdem die Finger von „Duftölen“, wie sie häufig Duftlampen beiliegen. Hier hat Stiftung Warentest besonders allergieauslösende Substanzen gefunden. Diese reichern sich schnell in der Luft an und belasten Innenräume.
Ätherische Öle anwenden – 5 Methoden, die du kennen solltest
1. Massagen: 3 bis 5 Tropfen ätherisches Öl mit 30 Milliliter Basisöl vermischen (zum Beispiel Oliven- oder Jojoaöl) und kräftig einmassieren. Auch toll geeignet, um sich selbst Gutes zu tun und schmerzende Muskeln zu verwöhnen.
2. Bäder: Tropfst du ätherisches Öl in Badewasser, atmest du die Duftmoleküle mit dem aufsteigenden Dampf ein – und genießt gleichzeitig die wohltuende Wirkung auf der Haut. Damit sich Öl und Wasser verbinden, stets einen Emulgator (zum Beispiel ein duftneutrales Ölbad) verwenden.
3. Raumbeduftung: Mit neutralen Ölen oder Wasser gemischt und in Duftlampen oder Vernebler gegossen, strömt schon bald ein herrlicher Geruch durch den ganzen Raum. Setze hier unbedingt auf hochwertige Bio-Öle und wende diese sparsam an!
4. Dampfbäder: Macht sich denselben Effekt wie ein Bad zunutze, kann aber einfacher und öfter in den Alltag integriert werden – wie früher bei Mutti einige Tropfen ätherisches Öl in eine Schüssel mit heißem Wasser geben und, den Kopf nach unten gesenkt, tief einatmen.
5. Hautpflege: Duftet, pflegt und verwöhnt – in ein hochwertiges Basisöl gemischt (zum Beispiel Mandel- oder Aprikosenkernöl) kannst du deine tägliche Hautpflege mit gewünschten Wirkungen anreichern. Hier genügen 10 bis 30 Tropfen auf 75 Milliliter Öl.
Fazit: Mit der Kraft der Natur zu mehr Wohlbefinden & Gesundheit
Natürlich können ätherische Öle keinen Arztbesuch oder Medikamente ersetzen – richtig angewendet, lindern sie jedoch leichte Beschwerden, lassen Stress und Anspannung entweichen oder bescheren dir Erinnerungen und Glücksgefühle. Grund genug, die Aromatherapie nicht länger als Esoterik abzutun – sondern sie auszuprobieren.
Welchen Duft magst du besonders gerne und warum? Verrate es uns in den Kommentaren!
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